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David Verboom beantwortet brennende Fragen rund um die humanitäre Hilfe.

Im vergangen Jahr erreichten humanitäre Hilfsorganisationen mehr Notleidende als je zuvor. Unzählige Menschenleben konnten gerettet werden. Gleichzeitig ist es eine traurige Tatsache, dass sich humanitäre Katastrophen in letzter Zeit häufen. Sie haben ausserdem an Komplexität zugenommen, dauern länger und beeinflussen das Leben von viel mehr Menschen als früher ­– Faktoren, welche für die humanitäre Hilfe enorme Herausforderungen bedeuten.

Diese Woche steht im Zeichen des Welttags der humanitären Hilfe. Es werden Helfende gefeiert, die bereit sind, für andere eine Extrameile auf sich zu nehmen. Auch wir halten inne und denken an unsere Teams, die hart arbeiten, um Bedürftige in weiten Teilen der Welt mit lebensrettender Nothilfe zu versorgen. Persönlich möchte ich diesen Moment nutzen, häufig gestellte Fragen zur humanitären Hilfe zu beantworten.

Klicken Sie hier um sich Davids Antworten auf die Fragen unserer Unterstützer live auf Facebook anzusehen.

Vor welchen grossen Herausforderungen steht die humanitäre Hilfe heute?

Kurz zusammengefasst: Der Bedarf an Hilfe steigt weltweit an, während die Ressourcen schwinden. Damit umzugehen, ist sicher eine der grössten Herausforderungen der humanitären Hilfe heute.

Der Bedarf nimmt zu, da sich Konflikte heute immer öfter in die Länge ziehen und Naturkatastrophen häufiger auftreten. Zusätzlich ist es ein schmerzliches Faktum, dass in Konflikten der Respekt vor und der Schutz von menschlichem Leben von Zivilisten und Helfenden abnimmt.

Gleichzeitig stehen immer weniger finanzielle Mittel und gut ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung. Die Medienberichterstattung flaut nach den ersten Katastrophenmeldungen ab und kritische Stimmen werden immer lauter.

Wo sehen Sie die grössten Chancen ihrer Arbeit?

Das grösste Potential liegt in den Menschen, denen wir helfen. In unserer Arbeit orientieren wir uns am bestehenden Wissen und den Fähigkeiten der Einheimischen, was uns hilft, unsere Leistungen stetig zu verbessern und sicherzustellen, dass sie optimal auf die vorhandenen Bedürfnisse abgestimmt sind.

Auch die Entwicklung neuer Technologien birgt grosses Potenzial. Ebenso der Aufbau von neuen, tragfähigen Partnerschaften und eine intensivere Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Ein Beispiel für eine solche Innovation in der humanitären Hilfe ist die Vergabe von Bargeldleistungen (anstelle von physischen Hilfsgütern). Auf diese Weise wird die Würde der Hilfeempfänger besser gewahrt – denn sie können selber entscheiden, was sie in ihrer Notlage am dringendsten benötigen.

 

Warum dauert es oft so lange, Menschen in Krisengebieten zu erreichen?

Ein Nothilfeeinsatz ist eine vielschichtige Sache. Oft ereignen sich Katastrophen in Ländern, die hinsichtlich Sicherheit und Logistik ohnehin schon grosse Herausforderungen aufweisen, man denke an Syrien oder die DR Kongo. Als Hilfsorganisation in einem von Krisen gebeutelten Land eine legale Arbeitsbefugnis zu erlangen, ist oft ein sehr bürokratischer Prozess, der sich in die Länge ziehen und somit die Hilfe verzögern kann.

Ausserdem sind die Umstände in den entlegenen Gebieten, in denen wir im Einsatz sind, oft sehr schwierig. Die Strassen, welche in diese Randgebiete führen, sind meistens beinahe unpassierbar und vielerorts herrscht auch einfach Gewalt. Hilfsgüter in solche Regionen zu transportieren, ist eine sehr komplexe Aufgabe.

Weitere Punkte, welche zu Verzögerungen führen können, betreffen die Koordination zwischen den Hilfsorganisationen wie auch die eigentliche Finanzierung der Hilfsprojekte. In der Regel müssen Hilfsorganisationen zuerst ausreichende Finanzmittel beschaffen, bevor sie auf eine Krise reagieren können. Aus diesem Grund sind Nothilfe-Fonds auch so wichtig: Sie erlauben eine sofortige Reaktion. Dank dieser „vorgezogenen“ Finanzierung können wir bereits im Vorfeld einer Katastrophe und damit auch zu besseren Konditionen Hilfsgüter beschaffen und diese präventiv an strategischen Orten lagern. Dies erlaubt uns Einsparungen zwischen 50-86 Prozent!

 

Die Nachrichten berichten immer wieder, dass ein Teil der Spendengelder verschwindet und gar nicht bei den Notleidenden ankommt. Stimmt das?

Korruption und Betrug kommen leider in jeder Branche vor. Im Nothilfebereich haben sie besonders grosse Auswirkungen, weil sie dazu führen, dass weniger notleidende Menschen die so dringend benötigte Hilfe erhalten. Das ist inakzeptabel.

Während Katastrophen herrscht Chaos und Regierungssysteme funktionieren oft nicht mehr richtig, was einen Nährboden für finanziellen Missbrauch schafft. Das Korruptions- und Betrugsrisiko können auch wir als Medair leider nicht zu 100 Prozent ausschliessen. Doch wir tun alles in unserer Macht stehende, um es zu minimieren und falls es doch einmal zu einem Vorfall kommt, untersuchen wir diesen unverzüglich.

Betrugsprävention und -aufdeckung gehört zur Verantwortung eines jeden unserer Mitarbeitenden. Damit unsere Mitarbeitenden auch wissen, was diese Verantwortung beinhaltet, haben wir eine Ethik-Richtlinie, eine Richtlinie zur Betrugsprävention sowie ein vertrauliches Beschwerdesystem erstellt und sie damit vertraut gemacht. Auch unsere finanziellen und logistischen Prozesse unterliegen strengsten Anforderungen. Alle Medair-Mitarbeitenden werden ausserdem bei ihrer Nothilfeausbildung darauf sensibilisiert, stetig die lokalen Machtstrukturen zu beobachten und zu analysieren.

Manche Länder erhalten schon seit über 20 Jahren Hilfe. Gibt es für deren Probleme überhaupt eine Lösung?

Humanitäre Hilfe kann Menschenleben retten. Sie vermag jedoch nicht, die der jeweiligen Krise zu Grunde liegenden strukturellen Probleme zu lösen. Unser Hauptziel ist es, menschliches Leid zu lindern – wo immer in der Welt es uns möglich ist. Selbst dann, wenn die Strukturen dieses Leid verursachen.

Menschen beim Überleben zu helfen, ist wichtig – die humanitäre Arbeit jedoch geht noch einen Schritt weiter. Sie spielt eine grosse Rolle, wenn es darum geht, die Widerstandskraft von Gemeinschaften auf bevorstehende Naturkatastrophen oder menschengemachte Krisen zu stärken. Aus diesem Grund bleibt Medair auch nach der Bewältigung von Notsituationen noch eine gewisse Zeit lang vor Ort, um die lokale Bevölkerung in diesem Bereich zu stärken und zu trainieren.

In jeder Situation sollten wir alles dafür tun, menschliches Leid nicht nur zu beenden, sondern es künftig zu verhindern.

Warum gibt es so viele verschiedene humanitäre Hilfsorganisationen? Werden diese wirklich alle gebraucht?

Die humanitäre Hilfe in ihrer heutigen Form nahm mit der Gründung des Roten Kreuzes 1859 ihren Anfang. Danach entstand eine Hilfgsorganisation nach der anderen – meistens, um einem klar definierten Ziel zu dienen. So entstand auch Medair: Ihre erste Aktivität galt der Linderung des menschlichen Leids in der Ugandakrise 1988.

Meistens wuchsen die Hilfsorganisationen nach ihrem ersten Hilfseinsatz. Sie engagierten sich in weiteren Krisen und entwickelten sich über die Jahre zu professionell arbeitenden Organisationen. Während sich die verschiedenen Hilfswerke beispielsweise hinsichtlich ihrer Zielgruppen oder ihrem Wirkungsfeld unterscheiden, gibt es heute in vielen Bereichen auch deutliche Überschneidungen.

Es liegt jedoch auch Schlagkraft in einer grossen Helferzahl und die Not ist riesig. Meiner Überzeugung nach sollten Hilfsorganisationen, inklusive Medair, noch stärker zusammenarbeiten und Synergien nutzen. Deshalb koordinieren wir unsere Projekte eng mit anderen Organisationen durch Netzwerke wie zum Beispiel Integral Alliance und EU-CORD und arbeiten mit verschiedene UN-Organisationen zusammen.

 

Wie kann eine glaubensbasierte Organisation wie Medair neutrale, unparteiische Hilfe leisten?

In unserer Arbeit lassen wir uns von unseren christlichen Werten und dem christlichen Glauben leiten. Er ist es, der uns täglich motiviert. Unsere Arbeit jedoch ist ausschliessend humanitärer Art. Es geht uns darum, menschliches Leid zu beenden und zu verhindern – ungeachtet jeglicher Religion.

Medair missioniert nicht. In unserer Arbeit treffen oft verschiedene Religionen aufeinander. Wir respektieren immer den Glauben des Gegenübers, sind aber gleichzeitig transparent bei der Kommunikation unserer eigenen Grundwerte.

 

Welchen Ansatz verfolgt Medair bei der Nothilfe?

Menschen sind das Herzstück unserer Arbeit und wir sind davon überzeugt, dass sowohl unsere Hilfeempfänger wie auch unsere Mitarbeiter und Spender zu unserem Auftrag gehören.

Wir orientieren uns in unserem Auftrag an den vorhandenen Fähigkeiten der bedürftigen Gemeinschaften. Denn unserem Verständnis nach sind sie keinesfalls nur passive Hilfeempfänger, sondere vielmehr wichtige Projektpartner.

Wir kommen nicht und sagen ihnen, was sie tun sollen. Unser Ziel ist es, sie in der Bewältigung ihrer dringendsten Nöte und Bedürfnisse zu unterstützen und ihnen zu helfen, sich für eine bessere Zukunft zu rüsten.

 

Manche Probleme scheinen so unglaublich gross. Wie kann ich helfen?

Sich um Menschen in Not zu kümmern, kann man von überall aus tun. Wir alle haben eine Aufgabe darin, Notleidenden in scheinbar ausweglosen Situationen neue Hoffnung zu schenken. Zum Beispiel in Form eines Hilfseinsatzes, mittels einer Spende, im Gebet oder indem wir unser Umfeld auf die Not aufmerksam machen.

Deshalb bitte ich Sie heute von Herzen: Begleiten Sie uns! Denn nur mit Hilfe unserer Unterstützer können wir unsere Arbeit tun.

Engagieren Sie sich noch heute für Medair. Dazu gibt es zahlreiche Möglichkeiten:

  • Unterstützen Sie Medair mit einer Spende.
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Möchten Sie mehr über Ihre Einsatzmöglichkeiten erfahren? Lesen Sie den Abschnitt „Wie Sie sich engagieren können“ auf unserer Internetseite – oder kontaktieren Sie uns.

 

Facebook-Live-Session mit David verpasst? Das Interview ist noch immer auf unserer Facebook-Seite verfügbar. Hier geht es zum Video.