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Meine ersten Projektbesuche als neuer Medair-CEO führten mich vor kurzem in den Nahen Osten. Zwei Länder standen in dieser Woche auf dem Programm. Zunächst ging es nach Amman in Jordanien.

Medair arbeitet seit 2012 in Jordanien. Heute bieten wir syrischen Flüchtlingsfamilien und bedürftigen Menschen aus Jordanien psychosoziale Unterstützung und helfen ihnen mit Bargeldleistungen. Auch finanzieren oder bezuschussen wir medizinische Behandlungen.

Unsere Leistungen in Jordanien sind ganz auf die Bedürfnisse der Hilfeempfänger ausgerichtet. Als würden Flucht und Flüchtlingsdasein nicht schon genug Stress bedeuten, ist das Leben in diesem Land relativ teuer. Familien, die nicht arbeiten können oder dürfen, verschulden sich und sind kaum in der Lage, die Mittel für Miete und medizinische Leistungen aufzubringen. Dank finanzieller Hilfsprogramme von Medair können Notleidende ihre dringendsten Bedürfnisse dennoch decken.

Mit meiner Kollegin Haneen habe ich eine 13-köpfige syrische Familie besucht, die Hilfe von Medair empfangen hat. In ihrem Zelt am Rande Ammans hiessen uns die Eltern Mohammed und Saadya herzlich willkommen.

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In Syrien besass die Familie einen Bauernhof mit Kühen. Sie führten ein gutes, ruhiges Leben – bis die Syrienkrise auch ihr Dorf erfasste. Hals über Kopf flohen sie alle nach Jordanien; zu Fuss und mit nichts als den Kleidern auf ihrem Leib. Saadya trug die ganze Zeit über ihre Jüngste auf dem Arm. Die kleine Sara war damals vier Monate alt und wich bei meinem Besuch nicht von meiner Seite.

Das Leben der Familie in diesem Zelt steht in keinem Vergleich mit ihrem bisherigen. Mohammed und Saadya müssen nicht nur Strom- und Wasserrechnungen bezahlen, auch die Miete des Grundstücks kommt sie teuer zu stehen. Keiner von ihnen hat eine Arbeitserlaubnis, sie sind hoch verschuldet.

Als Tochter Lena vor zwei Monaten Mutter des kleinen Wael wurde, brachten ihre Eltern die beiden notfallmässig in eine Klinik im Amman. Das Baby litt an einer Atemwegserkrankung und musste zwei Wochen auf der Intensivstation bleiben. Die Behandlung rettete Wael das Leben. Doch das Personal verweigerte die Ausstellung seiner Geburtsurkunde ehe die Rechnung beglichen war. Diese betrug 4000 JOD (CHF 5600).

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Unser Gesundheitsteam erfuhr von Lena und ihrem Baby und bezahlte die teure Rechnung der Klinik. Wael hat seine Geburtskurkunde erhalten und ist heute wohlauf – liebevoll umsorgt von seiner Mutter und der ganzen Grossfamilie.

Wir haben uns lange mit Mohammeds Familie unterhalten. Ich war von der Warmherzigkeit der Menschen ergriffen und konnte kaum glauben, was sie erlebt hatten. Vor drei Jahren wurde ihnen förmlich der Boden unter den Füssen weggezogen. Innert weniger Stunden verloren sie Haus, Existenzgrundlage und ihr gesamtes Umfeld. Heute leben sie mit fast nichts – aber sie haben einander.

Tag für Tag unterstützt Medair Familien wie jene von Mohammed und Saadya mit humanitärer Hilfe.

Dabei legen wir grossen Wert auf persönliche Beziehungen zu den einzelnen Menschen und Dorfgemeinschaften. Mithilfe von Tablets führen unsere Mitarbeitenden Umfragen durch. Das erlaubt uns, die genauen Bedürfnisse zu ermitteln und den Überblick zu behalten. Um möglichst vielen Menschen zu helfen, arbeiten wir eng mit anderen internationalen NGOs, lokalen Partnern und den UN zusammen. So können wir kosteneffizient hochwertige und innovative humanitäre Hilfe leisten. 2017 hat Medair über 41 000 Flüchtlingsfamilien und Menschen in Jordanien und Syrien mit Nothilfe unterstützt und ihnen auch durch Hilfe beim Wiederaufbau neue Zukunftsperspektiven geschenkt.

Die Qualität unserer Arbeit zeigt sich nicht nur in unseren Projekten, sondern auch darin, dass uns andere unterstützen. Während meines Aufenthaltes in Jordanien hatte ich Ehre, einen Finanzierungsvertrag mit der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA zu unterzeichnen. Die DEZA ist ein langjähriger Partner von Medair in Jordanien und unterstützt mehrere unserer Länderprogramme. In Jordanien haben wir Mittel für ein neues Bargeld-Projekt erhalten. So können wir bedürftige Familien weiterhin finanziell unterstützen.

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Die hohe Qualität unserer Arbeit wäre ohne fachkundiges humanitäres Personal nicht möglich. Wir investieren viel in dessen Aus- und Weiterbildung. Vor kurzem beherbergte unser Team in Jordanien eine Gruppe nationaler und internationaler Mitarbeitender aus sieben Länderprogrammen. Gemeinsam tauschte man sich über Management und Entwicklungspotenzial unserer Projekte aus. Haneen zum Beispiel, die mich bei meinen Besuchen begleitete, hat ihre Arbeit bei Medair vor zwei Jahren begonnen. Seither wurde sie zweimal befördert – von der Projektmitarbeiterin zur Projektleiterin und danach zur Gesundheitsmanagerin. Qualifizierte Mitarbeitende wie Haneen sind unentbehrlich. Sie stellen den ersten Kontakt zu unseren Hilfeempfängern her und sorgen damit massgeblich für den Erfolg unserer Projekte.

Über alledem ist es unser höchstes Ziel, in den Menschen Hoffnung zu wecken – für ihre aktuelle Situation, aber auch für die Zukunft. Medair arbeitet in einigen der entlegensten, am meisten zerstörten Orte der Welt, wo kaum Grund zur Hoffnung besteht. Dennoch gibt es sie; die Begegnungen in Jordanien haben es mir gezeigt. Man muss nur seine Augen und das Herz öffnen, um diese Hoffnung zu sehen: Sei es beim Unterzeichnen eines Finanzierungsvertrags oder im Lächeln eines Flüchtlingsmädchens, das jeglichen Besitz entbehren muss, nicht aber die Liebe und Fürsorge seiner Familie.