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Während Krisen und Katstrophen gehen ältere Menschen oft leer aus. Sie haben besondere Bedürfnisse und benötigen deshalb oft individuell angepasste Hilfsleistungen. Das übersteigt nicht selten die Möglichkeiten humanitärer Hilfsorganisationen.

Viele ältere Männer und Frauen leiden an chronischen Krankheiten, wodurch sie auf Medikamente und regelmässige Behandlungen angewiesen sind. Andere haben Behinderungen, die in der neuen, unbekannten Situation besonders ins Gewicht fallen. Oft werden Familien bei Katastrophen oder Konflikten von ihren Familien getrennt, was bedeutet, dass ältere Menschen von einem Moment auf den nächsten ganz auf sich alleine gestellt sind.

Nach einer Katastrophe gilt es, keine Zeit zu verlieren, Leben stehen auf dem Spiel. Hilfswerke müssen umgehend reagieren und so viele Menschen wie möglich retten: Auf spezifische Bedürfnisse von älteren oder behinderten Menschen kann in der Hektik oft nicht eingegangen werden.

Den Teams von Medair ist diese Situation bewusst. Deshalb tun sie alles dafür, wann immer möglich, sich ganz speziell auch Zeit für diese «vergessenen» Bedürfnisse zu nehmen. Wir glauben fest daran, dass jedes Leben zählt – egal, wie schwer es ist, die Betroffenen mit Hilfe zu erreichen.

Aaid, 73, mit dem kleinen John, um den er sich stellvertretend kümmert.

Allein mit leeren Händen

Aaid ist 73 Jahre alt. Er kennt die Gebrechen, die das Alter mit sich bringen; das Laufen fällt ihm schwer. Und er weiss, was es heisst, als ältere Person ein Flüchtlingsleben zu führen. Als es 2017 im Staat Rakhine in Myanmar zu Gewaltausbrüchen kam, rannte Aaid um sein Leben: Angreifer hatten sein Dorf angezündet, sein Haus stand in Flammen.

«Gemeinsam mit meiner Frau, unserer Tochter und unserem Enkel ergriff ich die Flucht», erinnert sich Aaid. «Wir rannten, versteckten uns – und rannten wieder. Drei Tage am Stück. Essen konnten wir keines mitnehmen, auch unsere Felder, unser Vieh und unsere Kleider mussten wir zurücklassen. Dann geschah das Schlimmste. Meine Frau und mein Enkel wurden erschossen. Ich weinte und schrie. Ich wollte bei ihnen bleiben, aber als sie starben, musste ich sie an Ort und Stelle liegenlassen, man war uns dicht auf den Fersen und ich musste mich um meine Tochter kümmern.»

Gemeinsam durch schwere Zeiten

Auf der Flucht traf Aaid auf einen kleinen Jungen. «Wir sahen am Wegrand einen Buben sitzen, der weinte und nach seinen Eltern rief. Es war so herzzerreissend, ihn da alleine zu sehen – weit und breit niemand, der sich um ihn kümmerte.»

Hinter ihnen ertönten Schüsse. Aaid packte den verstörten Jungen und trug ihn in seinen Armen in Sicherheit. Es war eine schreckliche Reise, aber Aaid, seine Tochter und der verloren gegangene Junge schafften es über die Grenze ins Flüchtlingslager nach Bangladesch. Sie sind jetzt drei von insgesamt 655 000 Rohingya, die in dem weltgrössten Flüchtlingslager ausharren.

«Als wir im Lager ankamen, erhielten wir Hilfe von den Einheimischen und Hilfsorganisationen. Sie gaben uns zu essen, aber wir brauchten auch noch eine Unterkunft». Gemeinsam mit World Concern versorgte Medair bislang 4500 Flüchtlingsfamilien mit Baumaterial und Hygienegütern – einer von ihnen war Aaid und seine Familie. «Wir sind sehr, sehr dankbar für die Hilfe», so Aaid.

Ungewisse Zukunft

Bis heute wurden die Eltern des kleinen Jungen, John, nicht gefunden und Aaid kümmert sich weiter um ihn. Die beiden haben von einem Moment auf den anderen so viel verloren, dass sie sich nun in ihrer Trauer gegenseitig Halt geben. Dass seine Frau nicht mehr da ist, kann Aaid kaum verkraften.

«Ich vermisse meine Frau jeden Tag. Dass sie getötet wurde, ist das Schlimmste, was mir je passiert ist.»

Wie viele Jahre Aaid noch vor sich hat, weiss er nicht. Was jedoch zählt, ist, dass er heute, zusammen mit allen anderen älteren Betroffenen, jene massgeschneiderten Hilfe bekommt, die er benötigt.


Möchten Sie mehr Rohingya-Flüchtlingen wie Aaid und John helfen? Wir freuen uns sehr über Ihre Spende, jeder Beitrag zählt. Auch besteht die Möglichkeit, Medair monatlich zu unterstützen. So stellen Sie sicher, dass wir Rohingya-Flüchtlinge kontinuierlich mit Unterkünften, Hygieneartikeln und Ernährungsleistungen versorgen können.