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«Es gibt keinen Ort mehr, den ich als mein Zuhause bezeichne», erklärt Hawas. Er flüchtete vor der Gewalt im Irak aus seiner Heimatstadt Zumar. Die Sicherheitslage wurde immer schlimmer und irgendwann fiel die schwere Entscheidung: Hawas machte sich mit seiner Familie auf die gefährliche, 90 Kilometer weite Reise nach Kharabe Babke. In dem Dorf ist er zwar vor Gewalt geschützt, zuhause fühlt er sich jedoch nicht: «Zurück nach Zumar kann ich nicht», erklärt Hawas. «Es gibt dort keine Grundversorgung mehr: kein Wasser, keinen Strom. Die Situation ist zudem noch immer unsicher. Kharabe Babke ist für mich aber auch kein richtiges Zuhause. Ich finde hier keine Arbeit und vermisse die Stabilität in meinem Leben.»

Hawas ist einer von 70,8 Millionen Menschen weltweit, die durch Konflikte, Verfolgung, extreme Armut oder Naturkatastrophen aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Das ist eine enorme Zahl – und dennoch ist jedes Schicksal einzigartig. Auch gibt es verschiedene Klassifizierungen: Manche Menschen werden als Flüchtlinge bezeichnet, andere als Binnenvertriebene, wieder andere als Asylsuchende. Was man genau unter den jeweiligen Begriffen versteht? Das erfahren Sie in diesem Artikel:

Flüchtlinge

Bei einem Flüchtling handelt es sich um eine Person, die ihr Land aufgrund von Gewalt oder Verfolgung verlassen musste und auf der Suche nach Sicherheit eine internationale Grenze überquert hat. Flüchtlinge geniessen den Schutz des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR). Das UNHCR stellt sicher, dass Flüchtlingen die gleichen sozialen und wirtschaftlichen Rechte zustehen wie Ausländern oder Menschen mit Wohnsitz im betreffenden Land.[1]

Überqueren Flüchtlinge eine internationale Grenze, werden sie von der lokalen Regierung oder den Vereinten Nationen als Asylsuchende registriert. Daraufhin können sie den Flüchtlingsstatus beantragen. Demnach ist jeder Flüchtling zuerst ein Asylsuchender; nicht jeder Asylsuchende erhält jedoch den offiziellen Flüchtlingsstatus.

 

Asylsuchende

Ein Asylsuchender ist eine Person, die aus ihrem Heimatland geflohen ist und um internationalen Schutz nachsucht. Asylsuchende können die Anerkennung als Flüchtling beantragen und müssen dann warten, bis der Antrag angenommen wird, bevor sie als Flüchtling im Gastland registriert werden können.[2]

Binnenvertriebene (IDPs)

Nicht alle Menschen, die zur Flucht gezwungen werden, verlassen ihr Heimatland. Für interne Vertreibungen gibt es vielerlei Gründe; Naturkatastrophen und bewaffnete Konflikte gehören beispielsweise dazu. Binnenvertriebene, oder Internally Displaced Persons (IDPs), überqueren auf der Flucht keine international anerkannte Staatsgrenze.

In vielen Fällen sehen sich Binnenvertriebene und Flüchtlinge mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert: Ihnen fehlt der Zugang zu grundlegenden Leistungen, sie haben keinen sicheren Zufluchtsort und sind oft von ihren Familien getrennt. Doch es gibt einen wesentlichen Unterschied: Binnenvertriebenen stehen nach dem Völkerrecht nicht dieselben Rechte zu wie Flüchtlingen. Auf den ersten Blick mag es vorteilhaft erscheinen, im eigenen Land zu bleiben. In der Realität ist die Situation für Binnenflüchtlinge jedoch oft viel komplexer.

Zur staatlichen Souveränität gehört, dass jedes Land für den Schutz und die Unterstützung ihrer bedürftigen Bürger verantwortlich ist. Das bedeutet auch, dass die stetig steigenden Bedürfnisse von Binnenflüchtlingen Staataufgabe sind und Vertriebene offiziell keinen Anspruch auf externe Hilfe durch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) haben. Anhaltende Konflikte verlangen Staaten jedoch viel ab. Auch wenn eine Regierung betroffenen Bevölkerungsgruppen helfen möchte, ist sie aufgrund des extremen Bedarfs und beschränkter Kapazitäten oft nicht dazu in der Lage, Notleidende angemessen zu versorgen.

Diese Lücken in der Versorgung werden durch internationale humanitäre Hilfsorganisationen wie Medair geschlossen. Wir besitzen die Berechtigung, sowohl Flüchtlinge als auch Binnenvertriebene mit dringend benötigter Hilfe zu versorgen. Unabhängig davon, welchen Status unsere Hilfeempfängerinnen und Hilfeempfänger haben – unser Ziel ist immer dasselbe: Wir möchten Menschen während Krisen helfen, sich in Würde zu erholen und ihnen und ihren Gemeinschaften Hoffnung auf eine bessere Zukunft schenken.

«Flüchtlingsbox» ermöglicht Einblick in das Leben von Geflüchteten

Die «Flüchtlingsbox» enthält die Bestandteile für ein rund 45-minütiges Spiel, das sich bestens für kleinere Gruppen eignet – und sich sowohl zuhause am Küchentisch als auch im Klassenzimmer einfach spielen lässt.

Durch Geschichten, Videos und Rollenspiele weckt die «Flüchtlingsbox» bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern jeden Alters ein tieferes Verständnis und Empathie für geflüchtete Menschen und zeigt Wege für ein persönliches Engagement auf.

[1] UNHCR Protecting Refugees

[2] UNHCR Glossary of Terms