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Die Syrienkrise gilt als Ursache für die weltweit grösste Flüchtlingsbewegung. Einer von sechs Vertriebenen stammt aus Syrien. Seit 2012 unterstützen wir syrische Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon. Beide Länder sind nur wenige Flugstunden von den meisten europäischen Hauptstädten entfernt. Die Infrastruktur ist in einem guten Zustand und Reisen ist vergleichsweise einfach. Dennoch ist es in diesem scheinbar unkomplizierten Umfeld eine grosse Herausforderung, notleidende Familien mit Hilfe zu erreichen. Finde heraus, wie schwer erreichbaren Menschen in gut zugänglichen Gebieten geholfen werden kann.

 

Jordanien: So nah – und doch so schwer erreichbar

© Medair / Mona van den Berg

Die Unterkunft, in der Saadya mit ihrer Familie heute lebt, befindet sich am Rande von Amman und ist weder auf einer Karte, noch mit einem GPS-System zu finden. Strassen tragen keine Namen, Häuser keine Nummern. Unser Team verbringt eine ganze Stunde damit, das Stückchen Land ausfindig zu machen, auf dem die Familie ihr Zelt aufgeschlagen hat.

Ursprünglich stammen Saadya und ihre Familie aus Syrien. Heute leben sie als so genannte Non-Camp-Flüchtlinge in Jordanien, das heisst, ausserhalb der offiziellen Lager. Aktuellen UN-Statistiken zufolge leben 84 Prozent der syrischen Flüchtlinge in Jordanien nicht in offiziellen Flüchtlingscamps. Für vertriebene Familien bedeutet das, dass sie für Hilfsorganisationen weniger gut sichtbar sind. Auf humanitäre Bedürfnisse zu reagieren wird erschwert, wenn sich die betroffene Bevölkerung nicht in einer spezifischen geografischen Region aufhält, sondern sich an entlegenen Orten oder inmitten von grossen, belebten Städten niederlässt.

 

Intensive Zusammenarbeit ist der Schlüssel

Medair arbeitet eng mit anderen Hilfsorganisationen zusammen, um Überweisungssysteme einzurichten, über die Geflüchteten, welche nicht in offiziellen Lagern leben, Unterstützung vermittelt werden kann. Auch vertrauen wir auf Menschen wie Saadya, die eine wichtige Rolle darin spielen, uns Zugang zu Familien in unterversorgten Gebieten zu schaffen.

Saadya lernten wir 2018 kennen, als ihr von einer anderen Organisation empfohlen wurde, uns für Geldleistungen für die lebensrettende Operation ihres Enkels anzufragen. Das Wohlergehen ihrer Familie und ihrer kleinen syrischen Flüchtlingsgemeinschaft war Saadya von Anfang an sehr wichtig und unsere Teammitglieder trafen sich von da weg regelmässig mit ihr. Nach und nach stellte sie uns befreundete Flüchtlingsfamilien vor, die – wie sie zuvor auch – dringend auf Hilfe angewiesen waren. Dank Saadya trafen wir Iman, die ebenfalls aus Syrien geflüchtet war und die nach einer Drillingsgeburt im vergangenen Jahr Schwierigkeiten gehabt hatte, die nötigen finanziellen Mittel aufzubringen. Heute unterstützen wir eine werdende Mutter, deren Geburtstermin unmittelbar bevorsteht. Auch Saadyas jüngstes Enkelkind, Abbas, der vor Kurzem das Licht der Welt erblickte, wird von uns nachgeburtlich versorgt.

Flüchtlinge, die in Jordanien ausserhalb der offiziellen Lager wohnen, können wir nur dank der intensiven Zusammenarbeit mit Familien, die wir unterstützten und dank unseren lokalen Partnern so gut unterstützen. Unsere jordanischen Kolleginnen und Kollegen investieren viel Zeit, um Familien individuell zu betreuen, sie eng in Projekte einzubinden und sicherzustellen, dass keine von ihnen vergessen geht.

 

Libanon: Wenn der Weg ins Spital eine halbe Weltreise bedeutet

Vor sieben Jahren verliessen Fatima und ihre Familie Syrien und harren seither in einem Zelt in einem informellen Lager im Bekaa-Tal, Libanon, aus. Die Familie ist in dieser Zeit gewachsen; Fatima hat fünf Kinder zur Welt gebracht. Medizinische Untersuchungen hatte sie während ihren Schwangerschaften kaum.

«Ich bat Gott, sich meinem Baby anzunehmen – und das tat er», erinnert sie sich. Zwar ist die nächste Klinik nur zehn Gehminuten entfernt, aber eine von Fatimas Töchtern leidet an einer schweren psychischen Erkrankung und Fatimas Mann arbeitet rund um die Uhr. «Es war immer sehr schwierig für mich, einen Arzt aufzusuchen», erzählt sie. Obwohl der Weg zur Klinik nur so kurz war, kam er ihr jeweils wie eine halbe Weltreise vor. Bei ihrer letzten Geburt verlief aber alles anders: Fatima konnte auf die Unterstützung der Medair-Hebamme Hanadi zählen. Heute, acht Tage nach der Entbindung, steht die erste nachgeburtliche Kontrolle an.

 

Schwangere Frauen zuhause versorgen

Hanadi ist Teil des gross angelegten Hebammen-Projekts von Medair im Bekaa-Tal. Gemeinsam mit zwei anderen Geburtshelferinnen besucht sie jeden Tag werdende und junge Mütter in informellen Flüchtlingssiedlungen. Sie hält kostenlose Patientengespräche und -beratungen ab und überweist Frauen bei Bedarf in von Medair unterstützte Spitäler.

Hanadi ist selber auch schwanger, ihr Mutterschaftsurlaub steht kurz bevor. Fatima begrüsst sie wie eine jahrelange Freundin. «Sieh an», ruft sie ihr zu. «Bald hast du es auch geschafft!». Hanadi nimmt Fatimas Neugeborenes in die Arme. «Hallo, du schöner kleiner Mond», flüstert sie dem Baby zu. Danach kontrolliert sie seine Körpertemperatur und unterhält sich mit Fatima über Stillen und Ernährung. Sie gibt Fatima eine Packung mit Vitamintabletten und rät ihr, das nahegelegene Medair-Spital aufzusuchen. Nach der Untersuchung verabschieden sich die beiden Frauen. «Es war immer sehr schön, wenn du uns besucht hast», sagt Fatima zu ihr. «Ich wünsche dir eine gute und sichere Geburt.» Seit zwei Jahren arbeitet Hanadi für Medair: «Ich liebe meinen Job. Ich habe den Herzschlag hunderter Babys im Bauch ihrer Mütter abgehört – und sie nach der Geburt als gesunde Kinder in den Armen gehalten.»

Allein im Bekaa-Tal erstrecken sich rund 3600 informelle Siedlungen über das gesamte Gebiet. Familien an so vielen verschiedenen Standorten in einer derart grossen Region mit humanitärer Hilfe zu versorgen, ist eine enorme logistische Herausforderung. Das Risiko, dass notleidende Menschen keinen Zugang zu lebensnotwendiger Unterstützung erhalten, kann leider nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Durch das Hebammen-Projekt erhalten bedürftige Familien im Bekaa-Tal lebensrettende Unterstützung. Wenn schwangere Frauen und junge Mütter sich nicht in einem Spital behandeln lassen können, bringen wir die dringend benötigten medizinischen Leistungen zu ihnen nach Hause.


Medair hilft Flüchtlingsfamilien und aufnehmenden Gemeinschaften, Krisen in Würde zu überstehen, ein neues Gleichgewicht zu finden und Hoffnung zu schöpfen.

Unterstützen Sie vertriebene Familien mit einer Spende.

Die Arbeit von Medair in Jordanien und im Libanon wird grosszügig unterstützt von: EU-Bevölkerungsschutz und Humanitäre Hilfe, Regional Trust Fund der Europäischen Union – MADAD, Deutsches Aussenministerium, Global Affairs Canada, Johns Hopkins University (US), UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten, Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), Glückskette, Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) sowie grosszügigen privaten Spenderinnen und Spendern.